Es gibt ein Vorher und ein Nachher. Nicht weil sich irgendetwas an mir verändert hätte. Sondern weil ich jetzt einen Namen habe für das, was ich schon immer war.
Ich war Ende dreißig, als die Diagnose kam. Asperger-Autismus. Hochsensibilität. Zwei Worte, die auf einmal erklärten, warum ich mein ganzes Leben lang das Gefühl hatte, die Regeln eines Spiels nicht zu kennen, das alle anderen scheinbar mühelos spielen.
Ich war nicht kaputt. Ich war nicht zu empfindlich. Ich war einfach anders verdrahtet.
Was danach kam, war kein Jubel. Eher eine stille Erschöpfung – und dann, ganz langsam, Erleichterung. Das alles ergibt jetzt Sinn. Die Überreizung. Die sozialen Missverständnisse. Das ewige Maskieren. Ich musste mich nicht mehr dafür schämen, dass ich so bin wie ich bin.