Als ich aufgehört habe, mich zu erklären

Es gab einen Moment – ich war vielleicht 34 – da habe ich in einem Gespräch wieder angefangen, mich zu erklären. Warum ich auf bestimmte Reize so reagiere. Warum Lärm mich erschöpft. Warum ich nach einem langen Tag einfach keine Worte mehr habe.

Mitten im Satz habe ich aufgehört. Nicht weil mir die Worte gefehlt hätten – sondern weil mir klar wurde: Ich erkläre mich schon mein ganzes Leben lang. Und es hilft nicht. Die, die mich wirklich verstehen wollen, tun das auch ohne lange Ausführungen. Und die anderen werden es nicht verstehen – egal wie viele Worte ich finde.

Ich bin nicht kaputt. Ich bin anders zusammengesetzt.

Die Diagnose – Asperger, Hochsensibilität – hat keinen neuen Menschen aus mir gemacht. Aber sie hat mir Sprache gegeben. Sprache für das, was ich schon immer war. Ich verarbeite Reize intensiver. Ich brauche mehr Zeit zwischen Menschen. Ich bin nach einem Einkaufszentrum so erschöpft wie andere nach einem Arbeitstag.

Das ist keine Schwäche. Das ist meine Physiologie.

Was sich seither geändert hat: Ich erkläre mich nicht mehr – ich beschreibe mich. Das ist ein Unterschied. Erklären heißt, sich zu rechtfertigen. Beschreiben heißt, sich zu zeigen. Und ich möchte mich zeigen – auf diesem Blog, in meinen eigenen Worten, in meinem eigenen Tempo.

Wenn du das hier liest und dir vorkommt, als würde ich über dich schreiben – vielleicht tue ich das ja ein bisschen. In gewissem Sinne schreibe ich für alle, die sich ihr ganzes Leben lang gefragt haben, warum sie anders funktionieren als die meisten um sie herum.

4 Kommentare zu „Als ich aufgehört habe, mich zu erklären“

  1. Avatar von admin

    Das ist ein Testkommentar.

  2. Avatar von admin

    Was für ein schöner Beitrag

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