Für viele Menschen ist Stille schön, aber nicht zwingend nötig. Für mich ist sie lebensnotwendig. Das klingt dramatisch – ist es aber nicht. Es ist einfach meine Physiologie.
Wenn ich zu lange in lauten Umgebungen bin – Supermärkte, Bahnhöfe, Familienfeiern – dann kippt irgendwann etwas in mir. Es ist keine schlechte Laune, es ist keine Unhöflichkeit. Es ist Erschöpfung auf einer Ebene, die schwer zu erklären ist. Alle Eindrücke landen gleichzeitig und mit voller Lautstärke.
Stille ist für mich keine Abwesenheit von Geräuschen. Es ist die Anwesenheit von mir selbst.
Was mir geholfen hat: nicht mehr zu warten bis es kippt, sondern vorher rauszugehen. Kleine Auszeiten. Kopfhörer. Der Garten. Mein Hund, der keine Antworten erwartet. Ich habe aufgehört, mich dafür zu entschuldigen – und angefangen, es als das zu behandeln was es ist: eine Notwendigkeit, keine Schwäche.